Rückblick 2020 und Ausblick 2021 auf einen infizierten Publikumsmarkt

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Die Beraterseite
Man kann wohl von einem Schock in der Finanzbranche sprechen, als nach dem vielversprechenden Jahresstart 2020 und den schönen Entwicklungen im Jahr 2019 Mitte März 2020 der erste und große Lockdown kam. Aber anderes als Behörden und andere große bürokratische Schlachtschiffe (z.B. auch Banken) hat der freie Vertrieb und Maklerpool sich rasch auf die neue Situation eingestellt. Es wurden Online-Beratungstools genutzt, die teilweise schon da waren oder kurzfristig aus dem Boden gestampft wurden. Und es funktioniert, zwar ohne Euphorie und zu hohen Absatzerwartungen, aber besser als erwartet. Man hat den Eindruck, dass Kunden sich zumindest die Zeit nehmen, sich mit Angeboten aus dem Finanzberatungskreis auseinanderzusetzen.
Jedoch ist die andere Seite der Medaille: Von verschiedenen Seiten ist zu hören, dass der Aufwand, einen Abschluss nach Hause zu bringen, sich verdoppelt oder verdreifacht hat. Vor allem bei den Finanzanlageberater, die ein hohes Qualitätslevel weiterhin gewährleisten wollen. Der Grund ist, dass die oft beliebten und erfolgreichen Kundenveranstaltungen – von der individuellen Gesprächsrunde zu acht oder zehnt bis hin zum Kundenbildungsevent mit 100 oder gar 300 Anlegern den Corona-Maßnahmen zum Opfer gefallen ist.
Aber auch der so wichtige Fachaustausch mit Kollegen oder Produktanbietern ist nicht mehr möglich. „Superspreader“ – Events wie Messen oder Symposien sind verschoben, komplett abgesagt oder zumindest teilweise ins Internet verlagert worden. Der aber so wichtigen Erfahrungsaustausch am Rande dieser Veranstaltungen entfällt ersatzlos. Hier müssen noch Alternativen geschaffen werden.

Die Produktseite
Die positiven Wasserstandsmeldungen über gute Platzierungsverläufe in Vertrieb befindlicher AIFs und Vermögensanlagen sind erfreulich, werfen aber ein trügerisches Bild auf den Markt. Das Analysehaus Scope hat für die ersten drei Monate ein Rückgang des Angebotsvolumens um 46 Prozent festgestellt. Und wer einen Blick auf Stefan Loipfingers investmentcheck.de wirft, wird im Schwerpunkt Crowdfundingprojekte in Form von Nachrangdarlehen und Namensschuldverschreibungen sehen. Erst im dritten Quartal brachte der Frankfurter Anbieter US-Treuhand einen großvolumiges AIF mit über 60 Millionen Euro auf den Markt. Das heißt nicht, dass nicht solche Volumen 2020 platziert werden. Anbieter wie Primus Valor zeigen, dass dies auch in Coronazeiten erfolgreich möglich ist. Aber man emittiert erst einen von mit zum Beispiel einem Emissionsvolumen von 30 Millionen Euro, wenn man sieht, dass der Markt diesen annimmt. Dann wird das Volumen sukzessive erhöht. Ein Weg, der umsichtig und erfolgreich ist.
Und damit sind wir bei den „funktionierenden“ Assetklassen. Die weiter dominierende Assetklasse ist die Immobilien in all ihren Darreichungsformen. Einen herben Rückschlag in der Story erlebten Hotelfonds, dafür boomen jetzt Fonds- und Direktinvestments in deutschen Ferienimmobilien wie bei 12.18 Vermögensmanagement, Corona sei Dank. Positiv werden auch Wohnimmobilien (Patrizia, PI ProInvestor, Primus Valor, PROJECT Investment) und Einzelhandelsimmobilien (z.B. von Habona, Hahn oder ILG) von den Inverstoren angenommen, eher verhalten ist man bei Großgewerbeobjekte und Büroimmobilien, obwohl bei Letzteren der Immobilienguru unter den Journalisten – Werner Rohmert – nur wenig pessimistischen Tendenzen sieht. Stark zurückkommen wird der US-Immobilien-Anlagemarkt nach der US-Wahl mit unterschiedlichen Angeboten von BVT, Deutsche Finance, DNL, TSO, US-Treuhand.
Beachtenswert ist die Entwicklungen bei den Regenerativen Energien. Mit HEP und ÖKORENTA decken zwar zwei erfahrene den AIF-Markt ab, jedoch wandern viele Anbieter wegen der hohen Konzeptionshürden in den Vermögensanlagenbereich ab, was bedauerlich ist.
Eine aufstrebende Assetklasse ist sicherlich auch Private Equity, von dem wir in Zukunft verstärkt wieder hören werden. Auch Logistikinvestment wie bei Solvium Capital sollte wieder stärker in Fokus genommen werden. Das große Zukunftsthema Impact Investing wie bei Jäderberg & Cie führt leider im Publikumssegment derzeit nur ein Schattendasein.
Zusammengefasst bedeutet das: Wir werden zwar 2020 wieder zwischen 40 und 50 Publikums-AIF – inklusiv Überhänge aus dem Vorjahr – im Vertrieb sehen und bis zu 100 Vermögensanlagen. Das Platzierungsvolumen dürfte aber 2020 eher geringer ausfallen wie die Umsatzzahlen 2019. Im Gegensatz zu den Profianleger: Diese vollziehen bereits die Trendwende und legen massiv in direkte oder strukturierte Sachwerte an. Denn Zinsen sehen Anleger mindestens die nächsten zwei bis drei Dekaden nicht mehr. Und durch die Massive Schuldenexplosion der Staatshaushalte scheint Geldvermögen langfristig eine fragile Anlageform. Was bleibt ist der Sachwert.