Landshut, 04.09.2019 (BeteiligungsReport Nr. 111/August 2019): Es ist schon faszinierend: Das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) wurde am 16. Mai 2013 vom Deutschen Bundestag beschlossen und trat überwiegend zum 22. Juli 2013 in Kraft. So steht es in Wikipedia.

Und am 15. Juni 2019 erschien ein Artikel mit der Überschrift „Geschlossene Fonds verdienen einen ganz neuen Blick“, den wir hier heute sozusagen zweitverwenden. Kurz gesagt, sechs Jahre später hat der Journalist Hanno Mußler aus der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen abseits des Bashings von Sachwertanlagen den Mut gefasst, die im Kapitalanlagegesetzbuch auf gleichem Niveau zu beschreiben. Damit ist er eine absolute Ausnahme und hat damit eine Erwähnung – ja sogar eine Würdigung an dieser Stelle verdient. Natürlich erwähnt er in seinem einseitigen Artikel auch die negativen Auswirkungen der steuerinduzierten Fondsjahre, die vor allem bei Schiffs- und Medienfondsinvestments zu einer absoluten Fehlentwicklung führten. Recht hat Mußler. Und er weist auch auf die Risiken hin, die auch in heutigen geschlossenen Investmentver-mögen stecken, da die Märkte nicht erst heute volatil und immer mehr politisch reagieren. Auch hier hat der Journalist recht.

Aber er zeigt auf, dass geschlossene Investmentvermögen nach neuer Machart als AIF sich als Beimischung zu Aktienportfolios eignen, da man ja nicht „alle Eier in einen Korb legt“. Und er lässt profunde Kenner wie Stefanie Lebert von Scope zu Wort kommen, die offen auf die Qualität der Emittenten und die auf Bedeutung der Kosten hinweist. Eine der entscheidenden Passagen des Artikels ist die folgende: „…. Vielmehr stellt das KAGB für geschlossene alternative (Sachwert kaufende) Investment-fonds (AIF), die sich an Privatleute richten, klare Regeln auf für das Konzept, die Verwaltung und den Vertrieb. Die Kapitalverwaltungs-gesellschaften müssen eine angemessene Organisation und eine fachlich geeignete Geschäftsleitung nachweisen. Eine Verwahrstelle für die Fonds-anteile ist nun vorgeschrieben, es gibt Regeln etwa für das Risiko- und Liquiditätsmanagement …….“ Damit beschreibt Hanno Mußler die Essenz der neuen Welt, die sich auf gleichem, regulatorischem Niveau mit offenen Investmentvermögen wie Aktienfonds befindet. Dies wird landläufig auch nach dieser langen Zeit nicht wahrgenommen.

Gehen sie, liebe Leser, einfach einmal in eine Bank und fragen nach AIF. Vielerorts werden sie zunächst verständnislose Blicke ernten. Wenn sie dann den Begriff „geschlossene Fonds“ nachschieben, werden sie mit Höllengeschichten beworfen, die nur mit einer gehörigen Portion Weihwasser wieder abzuwaschen sind. Nahezu keiner dieser Bankberater wendet das Wissen des KAGBs auf die neue vollregulierte Produktgattung an. Im gleichen Atemzug würde er ihnen aber einen offenen Immobilienfonds empfehlen. Diese Assetklasse gilt als risikolos, was systembedingt nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Die FAZ und Hanno Mußler haben einen wichtigen Beitrag zur monetären Aufklärung mit diesem Artikel bewirkt, ohne die Risiken oder die Vergangenheit zu beschönigen. Das Essay sollte Pflichtlektüre für jeden Banker, Finanzberater und Finanzanlagenvermittler sein.

Quelle: BeteiligungsReport Nr. 111 / August 2019